Von Erfurt über Berlin nach Seifhennersdorf
Am 1.6.1826 in Gotha geboren, wuchs Carl Bechstein im nahen Neudietendorf auf. Seine Laufbahn als Klavierbauer begann 1840 als Lehrling in der Erfurter Werkstatt von Johann Gleitz. Danach sammelte er Erfahrungen bei verschiedenen Klavierbauern sowohl in deutschen Landen als auch im Ausland und wurde so mit einer breiten Palette an technischen Details bekannt. 1853 gründete er in Berlin seine eigene Werkstatt und schaffte es, Hans von Bülow von den Qualitäten seiner Instrumente zu überzeugen. Dieser erste prominente Kunde wurde zum Zugpferd, ab den 1860er Jahren begann zudem der Export zu florieren, und so entwickelte sich die Ein-Mann-Werkstatt letztlich zum Großbetrieb. Als Carl Bechstein am 6.3.1900 in Berlin starb, hinterließ er ein florierendes Unternehmen mit drei Klavierfabriken in der deutschen Hauptstadt, etlichen Dependancen im Ausland, fast 800 Beschäftigten und einer Jahresproduktion von etwa 3500 Instrumenten.
Über das 20. Jahrhundert hinweg verlief die Entwicklung ziemlich wechselhaft mit vielen Höhen, aber auch etlichen Tiefen. Mittlerweile ist die C. Bechstein Pianoforte GmbH zwar nach wie vor in Berlin ansässig, produziert die Instrumente aber im oberlausitzischen Seifhennersdorf sowie im tschechischen Hradec Králové und ist der größte Klavierbauer in Europa. In den Räumlichkeiten in Seifhennersdorf finden auch Konzerte statt, und nicht zuletzt gibt es Möglichkeiten zum Aufnehmen. 2023 hat die Pianistin Han-Lin Yun dort ihre Debüt-Solo-CD „Kaleidoskop der Tonarten“ eingespielt, die im Folgejahr veröffentlicht wurde und auf der sie, wie der Titel schon assoziiert, einmal quer durch den Quintenzirkel schwebt.
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