Nicht nur Theater

Am 2.4.1826 in Meiningen geboren, erhielt Erbprinz Georg von Sachsen-Meiningen eine Ausbildung, die sich von der anderer Herrscherkinder des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Punkten unterschied. An seiner Erziehung wirkte u.a. der für seine neuartigen Pädagogikideen bekannte Friedrich Fröbel mit, und obwohl er natürlich auch in militärischen Dingen unterwiesen wurde, studierte er Kunstgeschichte, Geschichte und Recht sowie später noch Malerei. 1866 kam er als Georg II. auf den Thron seines Herzogtums im Südwesten Thüringens, und neben einer Liberalisierung in verschiedenen Aspekten des gesellschaftlichen und politischen Lebens profilierte er sich auch als Kunstmäzen. Seine Leidenschaft für das Theater ging so weit, dass er nicht nur das Hoftheater seiner Residenzstadt umfangreich förderte, sondern dort sogar selbst Regie führte, und nachdem seine beiden ersten, „standesgemäßen“ Ehefrauen jung verstorben waren, heiratete er in dritter Ehe unstandesgemäß die Schauspielerin Ellen Franz, die zur Freifrau von Heldburg ernannt wurde und fortan mit ihm gemeinsam an der Weiterentwicklung des Theaters wirkte.

Diese Weiterentwicklung betraf nicht nur das schauspielerische Element, sondern auch die Musik: Die Meininger Hofkapelle wurde anhand der von Georg geschaffenen neuen Möglichkeiten zu einem der leistungsfähigsten Orchester der damaligen Zeit und zudem zu einem der ersten seiner Art, das regelmäßig auf Tournee ging. So waren auch bedeutende Komponisten mit dem Orchester und mit dem Herzog verbunden, nicht zuletzt Johannes Brahms, dessen 4. Sinfonie 1885 in Meiningen uraufgeführt wurde und mit der die Kapelle später auf Gastspielreisen ging. Brahms war oft in Meiningen oder auch auf Schloss Altenstein, dem Sommersitz des Herzogspaares, zu Gast. Renate und Kurt Hofmann haben sich im Buch „Johannes Brahms auf Schloß Altenstein“ eingehend mit den dortigen Aufenthalten des Komponisten und seiner Beziehung zum Herzogspaar beschäftigt. Am 25.6.1914 starb Georg II., nachdem er fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze seines Herzogtums gestanden hatte – die Wirren des Ersten Weltkrieges und der Folgezeit erlebte er nicht mehr mit. Vom durch ihn beförderten Ruf profitieren das Meininger Theater und die Meininger Hofkapelle noch heute.

 

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