Mehr ist manchmal mehr

„Mehr ist manchmal mehr“, behauptete augenzwinkernd vor Jahren eine Leipziger Band. Das war auch schon weit in der Vergangenheit auf die Stimmenzahl bezogen ein Kriterium, und das, was die Renaissancekomponisten aus den oft homophonen mittelalterlichen Vorbildern entwickelten, packte immer mehr Stimmen dazu, verfolgte aber gleichzeitig das Ziel, die Textverständlichkeit nicht zu weit ins Abseits zu stellen. Keine leichte Aufgabe – und die Ergebnisse der damaligen Vokalpolyphonie verraten, wer die wahren Meister waren.

Zwei davon stellt Martin Sturm in seinem „Vokalpolyphonie, Kontrapunkt und die Musik an der Cappella Sistina“ betitelten Vortrag beim Chemnitzer Musikverein am 05.10.2026 um 18.30 Uhr im Kammermusiksaal der Städtischen Musikschule Chemnitz verbal und mit Tonbeispielen vor: Josquin Desprez als frühen Vertreter und Giovanni Pierluigi da Palestrina, der wenige Jahre nach Josquins Tod geboren wurde. Beider Schaffen beinhaltete Elemente, die noch über lange Zeit praktische Relevanz für Generationen von Musikern besaßen – auch der große Sebastian stünde ohne die beiden nicht dort, wo er letztlich stand. Dass Martin Sturm auch dessen polyphone Strukturen meisterhaft durchdringen kann, zeigt er in seiner Einspielung des „Wohltemperirten Claviers“ an der Trost-Orgel der Schlosskirche Altenburg.

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