Die Erstbesteigung des Grünen Hügels

Ein Genie hat es nicht immer leicht. Auf Richard Wagner trifft diese Aussage in mannigfachen Kontexten zu – schließlich hatte er genaue Vorstellungen, wie seine Werke bestmöglich aufzuführen wären. Diese Vorstellungen waren freilich teilweise nur äußerst schwer umzusetzen. Das eine oder andere Genie schafft es aber, alle Hindernisse zu beseitigen, und in seinem wohl markantesten Fall gelang Wagner das auch: Er ließ in Bayreuth ein Festspielhaus errichten, das fortan der Pflege des „kanonisierten“ Teiles seiner Werke dienen sollte. Zwar findet diese Pflege mittlerweile auch andernorts statt und beschränkt sich nicht auf den kanonisierten Teil seiner Werke, aber noch immer pilgern Heerscharen von Musikfreunden Jahr für Jahr nach Bayreuth, um bei den Wagner-Festspielen sozusagen einen Mix aus authentischem Feeling und modernen Elementen zu betrachten. Erstmals taten sie das vor 150 Jahren, sozusagen also zur Erstbesteigung des Grünen Hügels: Am 13.8.1876 hob sich im neuen Bayreuther Festspielhaus der erste Vorhang der ersten dortigen Festspiele, nämlich zum „Rheingold“ als erstem Teil der „Ring“-Tetralogie, die in besagtem Jahr dreimal hintereinander gegeben wurde.

Mit dem Bau des Festspielhauses hatte Wagner Otto Brückwald beauftragt, der anhand des Neuen Theaters in Leipzig und des Theaters in Altenburg bereits Erfahrung mit dieser Gattung von Bauwerken hatte und für Bayreuth zudem auf Vorarbeiten von Gottfried Semper hätte zurückgreifen können. Ob er das tat und was es sonst noch Bemerkenswertes im Leben dieses heute kaum noch präsenten Mannes gab, das verrät Thomas Strobel in einem großartigen Buch.

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